Batterieladegerät Bosch C30 mit roter und schwarzer Polzange
Foto: Bosch

Starthilfe geben: Reihenfolge, Kabel, E-Auto, Powerbank

Starthilfe ist schnell gegeben, wenn die Reihenfolge stimmt: erst Rot an beide Pluspole, dann Schwarz an den Spender und zuletzt an Masse beim Pannenauto, nie an dessen Minuspol. Welches Kabel Sie brauchen, warum E-Autos meist keine Starthilfe geben dürfen, wie lange Sie danach fahren sollten und was eine Starthilfe-Powerbank taugt.

Die richtige Reihenfolge beim Anschließen

Stellen Sie beide Autos so ab, dass sie sich nicht berühren, schalten Sie die Zündung aus und ziehen Sie die Handbremse an. Dann gilt nach ADAC (Mai 2026):

  1. Rotes Kabel an den Pluspol der leeren Batterie im Pannenauto.
  2. Rotes Kabel, anderes Ende, an den Pluspol der Batterie im Spenderauto.
  3. Schwarzes Kabel an den Minuspol der Batterie im Spenderauto.
  4. Schwarzes Kabel, anderes Ende, an einen Massepunkt im Motorraum des Pannenautos oder an blankes Metall am Motorblock, nicht an die Batterie.

Auto Bild und Varta beginnen beim ersten Schritt mit dem Pluspol des Spenderautos. Das ist kein Widerspruch in der Sache: Entscheidend ist, dass zuerst beide Pluspole verbunden werden und das letzte Ende an Masse beim Pannenauto kommt.

Warum Masse statt Minuspol? Beim Anklemmen entstehen Funken. Eine Batterie kann Knallgas abgeben, das sich daran entzünden kann. Bei Autos mit Start-Stopp-Automatik sitzt am Minuspol außerdem ein Batteriesensor, der Schaden nehmen kann (ADAC). Viele Autos haben im Motorraum eigene Starthilfepunkte für Plus und Masse; wo sie sitzen, steht im Handbuch.

Starten und Abklemmen

  1. Motor des Spenderautos starten und einige Minuten laufen lassen.
  2. Pannenauto starten. Einen Startversuch nicht länger als etwa 15 Sekunden, dann eine Minute warten.
  3. Springt es an, im Pannenauto einen Verbraucher einschalten, etwa Heckscheibenheizung oder Gebläse. Das fängt Spannungsspitzen beim Abklemmen ab.
  4. Kabel in umgekehrter Reihenfolge lösen: erst Schwarz vom Pannenauto, dann Schwarz vom Spender, zuletzt die roten Klemmen.

Quellen: ADAC (Mai 2026), ACE, Auto Bild, Auto Zeitung (Dezember 2025), Varta. Springt das Auto trotz Starthilfe nicht an, liegt es womöglich gar nicht an der Batterie, sondern etwa an der Wegfahrsperre, siehe auch Auto springt nicht an.

Welches Starthilfekabel?

Der ADAC empfiehlt Kabel nach DIN 72553 oder ISO 6722 mit mindestens 25 Quadratmillimetern Querschnitt, mindestens zwei Meter lang, mit vollisolierten Polzangen. Dünnere Kabel reichen für kleine Benziner, bei großen Motoren kann die Starthilfe damit misslingen, im schlimmsten Fall schmilzt das Kabel.

MotorKupferkabelAluminiumkabel
kleiner Benziner16 bis 20 mm²25 mm²
Benziner ab 2 Liter, Diesel25 mm²40 mm²
Benziner und Diesel ab 3 Liter35 mm²55 mm²
Quellen: Auto Bild (Januar 2021), Wikipedia. Wer nur ein Kabel kauft, nimmt 25 mm² Kupfer (ADAC).

E-Auto und Hybrid: Starthilfe geben oder bekommen?

Auch Elektroautos und Hybride haben eine 12-Volt-Batterie für Steuergeräte, Licht und Schlösser. Ist sie leer, geht nichts mehr. Starthilfe bekommen dürfen die meisten, geben dürfen sie laut ADAC meistens nicht, weil ihre 12-Volt-Batterie klein ist und das Bordnetz Schaden nehmen kann.

ModellStarthilfe bekommenStarthilfe geben
Tesla Model Y und Model 3janein
VW ID.4janein
BMW iX1nur in der Fachwerkstattnein
Mercedes EQCnur in der Fachwerkstattnein
Toyota Yaris Hybrid (2010 bis 2020)ja, über die Starthilfeklemme im Motorraumnein
Quellen: Tesla-Handbuch Model Y, auto motor und sport (Januar 2026), Toyota-Handbuch. Der ACE hält Starthilfe durch E-Autos und Hybride für möglich; maßgeblich ist das Handbuch des eigenen Autos.

Wie lange muss ich nach der Starthilfe fahren?

Mindestens 30 bis 60 Minuten, am besten über Land oder Autobahn und nicht im Stadtverkehr (TÜV Süd). Schalten Sie dabei Gebläse, Sitzheizung und die Start-Stopp-Automatik ab, damit möglichst viel Strom in die Batterie geht. Schneller fahren lädt nicht schneller. Sicherer ist ein Ladegerät: Über Nacht ist eine Starterbatterie in der Regel gut geladen (ADAC).

Braucht das Auto öfter Starthilfe, ist die Batterie am Ende. Sie hält etwa fünf bis sechs Jahre (TÜV Süd). Die Starterbatterie ist mit 45,4 Prozent die häufigste Pannenursache in der ADAC-Pannenstatistik 2026. Warum Batterien leer werden und was dann hilft, steht unter Batterie leer.

Die häufigsten Fehler

  • Plus und Minus vertauscht: teure Schäden an der Elektrik.
  • Schwarz an den Minuspol des Pannenautos: Funkenflug, im schlimmsten Fall explodiert Knallgas.
  • Zu dünnes Kabel: Die Starthilfe misslingt.
  • Die Autos berühren sich: Kurzschlussgefahr.
  • Batterie gefroren oder beschädigt: Dann keine Starthilfe, sondern neue Batterie.

Starthilfe-Powerbank: was sie taugt

Eine Starthilfe-Powerbank, auch Booster genannt, ersetzt das zweite Auto. Sie ist ein Lithium-Akku mit Polzangen und lädt oft auch das Handy. Aktuelle Tests stammen aus der Fachpresse: Bei der Auto Zeitung (November 2025) gewann das Gerät von Featoo, Preis-Leistungs-Sieger wurde Sucfocus. Die Hälfte der Geräte fiel dort nach 48 Stunden bei minus 12 Grad komplett aus. In der Bestenliste von heise (Januar 2026) liegt der Revolt 3in1 vorn. Der letzte ADAC-Test ist von 2016, die Stiftung Warentest hat keinen.

Ein Booster hilft bei einer schwachen Batterie und kleineren Motoren. Ist die Batterie völlig leer oder defekt, reicht er oft nicht (ADAC).

Die Powerbank im Auto lagern

Lithium-Akkus mögen weder Frost noch Hitze. Der Hersteller Dino gibt für seine Booster eine Lagertemperatur von plus 10 bis plus 60 Grad an, geladen werden sollen sie bei plus 10 bis plus 40 Grad. Im Winter liegt ein Handschuhfach darunter, und im Sommer kann ein geparktes Auto in der Sonne sehr heiß werden. Besser ist es, den Booster im Haus zu lagern und für die Fahrt mitzunehmen, und ihn alle drei Monate nachzuladen. Nie mit eingestecktem Kabel lagern.

Wer Lithium-Akkus nicht nur im eigenen Auto mitnimmt, sondern gewerblich befördert oder verschickt, fällt unter das Gefahrgutrecht: Lithium-Batterien sind dort Gefahrgut der Klasse 9. Was dann für Verpackung, Kennzeichnung und Schulung gilt, steht unter ADR-Vorschriften für Lithium-Batterien.

Darf die Starthilfe-Powerbank ins Flugzeug?

Nur ins Handgepäck. Bis 100 Wattstunden ist das ohne Genehmigung erlaubt, bis 160 Wattstunden mit Zustimmung der Airline (Luftfahrt-Bundesamt). Die beiden Dino-Booster etwa haben 59 und 67 Wattstunden; der Wert steht auf dem Gerät. Deutsche Airlines erlauben höchstens zwei Powerbanks pro Person, bei der Lufthansa Group dürfen sie seit dem 15. Januar 2026 an Bord weder benutzt noch geladen werden (ADAC).

Häufige Fragen zur Starthilfe

Darf ein Diesel einem Benziner Starthilfe geben?

Ja. Wichtig ist nur, dass beide Autos dieselbe Bordspannung haben, fast immer 12 Volt. Nur einige Oldtimer haben 6 Volt.

Muss der Motor des Spenderautos laufen?

Laut ADAC ja. Einige Hersteller geben in ihren Handbüchern eigene Hinweise, die dann Vorrang haben.

Nach der Starthilfe will das Radio einen Code – warum?

Viele Werksradios sperren sich nach einer Stromunterbrechung, das ist ein Diebstahlschutz. Wo Sie den Code finden, steht unter Autoradio gesperrt.

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