Mechaniker prüft den Motorraum eines Autos in der Werkstatt
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Rückrufaktion: Ist mein Auto betroffen? So prüfen Sie es

Ob Ihr Auto von einer Rückrufaktion betroffen ist, klärt verbindlich nur die Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) aus Feld E des Fahrzeugscheins: Der Hersteller prüft sie über seine Rückrufseite, seine Hotline oder die Vertragswerkstatt. Die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts zeigt dagegen nur, welche Modelle betroffen sind. 2025 wurden in Deutschland rund 1,78 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen (KBA), die Reparatur zahlt in der Praxis der Hersteller.

Rückrufaktion prüfen: drei Wege

  1. Der Brief vom Hersteller. Der Hersteller bekommt in der Regel die Halteranschriften aus dem Zentralen Fahrzeugregister des KBA und schreibt jeden Halter an. Nicht jede Aktion nutzt diese Anschriften; wer keinen Brief hat, fragt beim Hersteller oder Importeur nach (KBA).
  2. Die KBA-Rückrufdatenbank auf kba-online.de. Gesucht wird über Marke, Modell und optional das Baujahr, über den Rückrufcode des Herstellers oder die KBA-Referenznummer. Sie warnt selbst: Mängel betreffen oft nur bestimmte Motoren, Karosserien oder Ausstattungen, also nicht jedes Auto des Typs (KBA).
  3. Die Abfrage per FIN beim Hersteller. Für das eigene Auto verweist das KBA auf die Service-Telefonnummer des Herstellers oder die Vertragswerkstatt, jeweils mit der FIN. Škoda bietet dafür eine Prüfseite mit Eingabe der 17-stelligen FIN, BMW eine Rückrufseite (Škoda, ADAC). Volkswagen bietet online nur Abfragen für Takata-Airbags, Erdgas und Diesel (Volkswagen); sonst helfen Hotline und Werkstatt.

Die FIN hat meist 17 Zeichen und steht im Fahrzeugschein in Feld E, im Fahrzeugbrief unter Punkt 4 und am Auto selbst (KBA). Welche Angabe in welchem Feld steht, erklärt der Ratgeber Fahrzeugschein erklärt.

Rückrufaktion aktuell: die großen Fälle 2026

MarkeModelleMangelBauzeitAutos in DeutschlandKBA-Nr.
VWGolf, Golf Variant, Tiguan, Touran, CaddyLenkungsschraube kann abreißen09/2013 bis 07/2024895.83217016R
ŠkodaOctavia, Superb, Karoq, KodiaqLenkungsschraube kann abreißen11/2015 bis 08/2026370.34717091R
AudiQ3Lenkungsschraube kann abreißen10/2017 bis 05/202458.55517014R
BMW2er bis 7er, i3, X3 bis X7, Z4Starterrelais, Brandgefahr07/2020 bis 02/2026rund 42.30016790R
Quellen: ZDFheute (25.09.2026) für VW und Audi; ADAC (02.10.2026) für Škoda; ADAC (22.07.2026) für BMW. Stand 17.10.2026. Ob ein einzelnes Auto betroffen ist, entscheidet die FIN.

Die Zahl der Aktionen steigt, die Zahl der betroffenen Autos sinkt: Das KBA zählte 2025 nach einem Bericht von Autohaus 676 Rückrufaktionen, nach 626 im Jahr davor. Zurückgerufen wurden rund 1,78 Millionen Fahrzeuge, 37 Prozent weniger als die rund 2,84 Millionen von 2024 (KBA). Der ADAC zählt in seiner eigenen Datenbank anders und kommt auf 532 Aktionen.

Rückrufaktion VW und Škoda: die Lenkungsschraube

Dieser Rückruf trifft viele Kombis: Golf Variant, Octavia und Superb stehen auf der Liste. Eine Schraube am Lenkgetriebe kann korrodieren und abreißen, im schlimmsten Fall fällt die Lenkung aus. Škoda nennt als Ursache jahrelangen Betrieb auf gesalzenen Straßen; Schäden in Deutschland sind nicht bekannt. VW, Audi und Seat holen zusammen knapp eine Million Autos in Deutschland in die Werkstatt, Škoda weitere 370.347 (ADAC). VW schreibt die Halter an, sobald die Zulassungsdaten vom KBA vorliegen; bis dahin ist Weiterfahren nach Angabe eines VW-Sprechers möglich (ZDFheute).

Ein Haken: Die korrosionsbeständigere Schraube ist noch nicht in ausreichender Menge da. Manche Autos bekommen übergangsweise die alte Schraubenart und müssen später ein zweites Mal kommen (ADAC).

Rückrufaktion BMW: Starter mit Brandgefahr

Bei BMW geht es um das Starterrelais. Abrieb lagert sich darin ab, der Kontaktwiderstand steigt, es drohen Kurzschluss und Brand. Betroffen sind weltweit mehr als 740.000 Autos, in Deutschland rund 42.300, darunter 3er und 5er. Die Werkstatt tauscht den Starter, bei einigen Autos auch die Batterie (ADAC).

Pflicht oder freiwillig?

Stellt das KBA eine ernste Gefahr oder eine Vorschriftenabweichung fest, verlangt es vom Hersteller Abhilfe, meist einen Rückruf. In der Datenbank trägt jeder Rückruf einen Status: „überwacht“ heißt, das KBA verfolgt die Aktion bis zur Betriebsuntersagung einzelner Autos; „nicht überwacht“ heißt, eine Nachverfolgung ist nicht nötig; „in Vorbereitung“ heißt überwacht, aber etwa mangels Ersatzteilen noch nicht gestartet (KBA). Freiwillige Serviceaktionen erledigt der Hersteller oft still bei der Wartung (ADAC). Trägt der Brief eine KBA-Referenznummer, deutet das nach Angabe des ACE auf eine verpflichtende Maßnahme hin.

Was passiert, wenn Sie den Rückruf ignorieren?

Wer auch nach mehrfacher Erinnerung nicht in die Werkstatt fährt, wird vom KBA der Zulassungsbehörde gemeldet. Die entscheidet über die Betriebsuntersagung, in der Regel ist das Auto dann aus dem Verkehr gezogen (KBA). Die Befugnis dazu gibt § 5 der Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV). 2025 traf das rund 74.000 Fahrzeuge, 2024 noch rund 155.000 (KBA). Ist die Untersagung nur angekündigt, lässt sie sich noch abwenden: Mangel in einer Werkstatt des Herstellers beheben lassen, bevor der Bescheid ergeht, und das der Behörde nachweisen (KBA). Das KBA rät deshalb, sich die erledigte Maßnahme bescheinigen zu lassen.

Wer zahlt die Reparatur?

Material und Arbeitszeit übernehmen Hersteller oder Importeur (ADAC), auch nach Ablauf von Garantie und Gewährleistung (ACE). Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nach Darstellung des ADAC allerdings nicht, die Hersteller zahlen freiwillig; der ACE nennt Ausnahmen bei sehr alten oder eigenmächtig umgebauten Autos und rät, sich die Kostenfreiheit vorher schriftlich bestätigen zu lassen. Zeitaufwand und Mietwagen werden nicht erstattet, einen Anspruch auf ein Ersatzauto gibt es nicht (ADAC).

Gebrauchtwagen und Leasing

Ob der Vorbesitzer einen Rückruf erledigt hat, prüft der Vertragshändler über eine zentrale Datenbank (ADAC). Wer einen gebrauchten Kombi kauft, lässt die FIN deshalb vor dem Kauf dort abfragen. Die Briefe gehen an die Halteranschrift im Fahrzeugregister, für jede Erinnerung fragt der Hersteller sie neu ab (KBA-Kodex). Nach einem Umzug müssen Sie die Zulassungsstelle informieren, sonst landen die Schreiben an der alten Adresse (KBA). Beim Leasing ist die Leasinggesellschaft als Halter eingetragen; die Rückrufschreiben erreichen Sie in der Regel über sie (ACE).

Häufige Fragen zur Rückrufaktion

Kann ich per FIN beim KBA prüfen?

Nein. Die KBA-Datenbank sucht nach Marke, Modell, Rückrufcode oder KBA-Nummer. Die FIN prüft der Hersteller.

Kostet die Rückrufaktion etwas?

Nein, Material und Arbeitszeit zahlt der Hersteller. Ein Ersatzauto steht Ihnen nicht zu.

Muss ich auf den Brief vom Hersteller warten?

Nein. Die FIN können Sie jederzeit beim Hersteller oder in der Vertragswerkstatt prüfen lassen. VW etwa schreibt erst an, wenn die Halterdaten vom KBA vorliegen.

Wird mein Auto stillgelegt, wenn ich nicht hingehe?

Bei überwachten Rückrufen ja: Nach mehreren Erinnerungen meldet das KBA das Auto der Zulassungsbehörde, die den Betrieb untersagen kann.

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