Auch der sportlichste BMW-Touring ist leider nicht davor gefeit, dass die freie Fahrt irgendwann notgedrungen an einem Stauende Halt machen muss. Doch wenn Sie allein unterwegs sind, wird es nach dem Bilden der Rettungsgasse schnell öde – ganz ohne Beifahrer, mit dem Sie reden könnten.

Dann müssen Sie für Ablenkung in die Trickkiste greifen. Der folgende Artikel liefert acht Vorschläge.

1. Radio-Quiz

Analoges UKW-Radio ist nicht totzukriegen, digitale DAB+-Radios werden seit längerem vielfach serienmäßig verbaut und werden Ende 2020 in Neuwagen sogar Pflicht. Und da auch noch beide Radioformen ihre Musik nach Kriterien aussenden, auf die der Zuhörer kaum Einfluss hat, bestehen beste Bedingungen, um sich selbst auf die Probe zu stellen.

Zunächst wählen Sie einen beliebigen Sender. Für Anfänger und weniger Musikaffine sei ein normaler „Dudelfunk“-Sender mit zeitgenössischer Musik empfohlen. Dann ist es wichtig, Ihre Augen sofort vom Fahrzeugdisplay loszureißen – damit Sie nicht sehen, welcher Song gerade läuft. Auch in analogen Radios wird diese Information häufig per RDS übertragen.

Dann heißt es raten, so schnell es geht, gern gegen die Uhr. Titel und Interpret. Alternativ das Erscheinungsjahr(-zehnt). Wollen Sie nicht waren, wechseln Sie nach einem erratenen Song einfach den Sender – DAB+-Besitzer haben wegen der größeren Vielfalt natürlich einen Vorteil.

Schwierigkeitsgrad zu gering? Dann versuchen Sie es bei Sendern, die Ihnen unbekannte Musikstile spielen.

Stau sind nicht nur zeitraubend, sondern im höchsten Maß langweilig. Gegen letzteres können Sie allerdings auch allein viel tun. Foto: Adobe / jogerken

2. Online-Slots

Mehr als 95 Prozent aller Deutschen unter 60 besitzen ein Mobiltelefon, bei den meisten davon als Smartphone. Und natürlich werden Sie, sobald abzusehen ist, dass der Stau sich nicht baldigst auflöst, das Gerät zücken. Allerdings: Warum dann immer nur auf Facebook und Co. stöbern, wenn das doch vielfach nur eine andere Art von Langeweile produziert?

Das bringt uns zu Online-Slots – die digitale Version des klassischen Spielautomaten. Die gibt es in zahllosen Versionen. In einigen sogar mit sehr realen Geldgewinnen. Wollen Sie mit Echtgeld-Spielautomaten Spaß haben, sollten Sie sich hier vorab ausführliche Infos holen. Das Spielprinzip der allermeisten Slots ähnelt sich zwar, allerdings gibt es dazwischen auch Unterschiede, zudem auch unterhalb der Anbieter. Erst mit diesem Wissens-Korsett sollte es losgehen.

Der nette Nebeneffekt dieses Zeitvertreibs: Nicht nur die Stau-Langeweile verfliegt, vielleicht werden Sie für die Wartezeit sogar buchstäblich finanziell entschädigt.

3. Autodetails merken

Schon sich die Bauart so vieler Stau-Leidensgenossen einzuprägen, ist ziemlich knifflig. Foto: Adobe / annacovic

Allein werden Sie nie im Stau stehen. Mit einem für dieses Kapitel „glücklicherweise“ werden sich um Sie herum viele Leidensgenossen finden. Gut so, damit können Sie ihr Gehirn trainieren. Gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Nehmen Sie ein mindestens handtellergroßes Papier, zur Not eine Tankstellenquittung aus dem Handschuhfach. Stechen Sie mit Schlüssel oder Kugelschreiber ein kleines Loch hinein. Das wird Ihre „Scheuklappe“.
  2. Schauen Sie sich für 15 bis 30 Sekunden alle Fahrzeuge in Ihrem Sichtfeld an. Gehen Sie in Leserichtung vor.
  3. Versuchen Sie, sich so viele Details wie möglich einzuprägen, etwa Lackfarbe, Fahrzeug-Bauart, Marke, Modell, Kennzeichenregion…
  4. Schließen Sie die Augen, halten Sie die „Scheuklappe“ vor eines und das andere zu. Versuchen Sie sich beim ersten Fahrzeug an das jeweilige Detail zu erinnern.
  5. Glauben Sie, dass Sie richtig liegen, öffnen Sie das Scheuklappen-Auge und prüfen – das Papierstück verhindert, dass Sie dabei im Augenwinkel alle anderen Fahrzeuge sehen.

Für die erste Runde dürfte schon die Lackfarbe eine Herausforderung darstellen – denn seit wenigen Jahren wird die deutsche Autowelt wieder bunter. Richtig knifflig sind die Kennzeichen. Doch Sie sind auch Anlass für ein weiteres Spiel:

4. Kennzeichenraten

Die ersten zwei, drei Buchstaben auf deutschen Kennzeichen bezeichnen den sogenannten Verwaltungsbezirk, beispielsweise Stadt oder Landkreis. Genau 701 unterschiedliche gab es davon. Sie nennen sich „Unterscheidungskennzeichen“.

Rechnen Sie zu diesen 701 Stück noch die möglichen Buchstaben hinter dem Unterscheidungskennzeichen hinzu, haben Sie eines: Eine riesige automobile Buchstabensuppe. Und was haben Sie mit der vielleicht als Kind gemacht? Wörter und Sätze gebildet.

Genau das können Sie auch jetzt tun. Notieren Sie sich beispielsweise sämtliche Unterscheidungskennzeichen in Ihrem Blickfeld. Dann versuchen Sie, nach Art des Scrabble, daraus Wörter oder ganze Sätze zu bilden. Auch dafür gibt es ein cleveres Digital-Tool, mit dem Sie die Buchstabenwerte berechnen können.

5. Autogeheimnisse entdecken

Hand aufs Herz: Als Sie Ihren Kombi bekommen haben, haben Sie sich die Mühe gemacht, die Betriebsanleitung von Anfang bis Ende konsequent durchzulesen? Falls nein, ist es nicht schlimm – viele Autobesitzer machen es nicht.

Allerdings ist der Stau der perfekte Anlass, um das nachzuholen – die Lösung liegt ja in Ihrem Handschuhfach. Besonders empfehlenswert sind alle Kapitel, die sich mit Radio, Tacho und all den anderen Bedienelementen zwischen Armaturenbrett und Mittelkonsole befassen.

Denn so, wie moderne Autos immer digitaler werden, finden sich darin oft zahllose Zusatzfunktionen, die Sie vielleicht bloß deshalb noch nicht kennen, weil Sie die Betriebsanleitung noch nie genau gewürdigt haben.

6. Wissen testen

Selbst mit vollem Radioempfang kommt im Stau das Geistige oft zu kurz. Warum die Blechlawine dementsprechend nicht zum Anlass nehmen, um die grauen Zellen zu noch stärker zu fordern? Auch dafür wird Ihr Handy gute Dienste leisten.

Denn das Nachrichtenportal Spiegel hat neuerdings auch einige Spiele integriert. Darunter der Wissens-Klassiker Trivial Pursuit. Der funktioniert auch auf den meisten Handy-Browsern, im Zweifelsfall auch als App. Im Gegensatz zum analogen Trivial Pursuit funktioniert dieses auch ohne Spielpartner – und es gibt keine Möglichkeit, sich durch Umdrehen der Karten selbst zu beschummeln oder so lange welche auszusuchen, bis Sie eine mit einer einfacheren Frage gefunden haben.

7. Umgebung entdecken

Aussteigen dürfen Sie auch im dicksten Stau nicht. Wenn das ein Gesetzeshüter mitbekommt, sind Sie um zehn Euro ärmer. Wohl aber können Sie auf andere Weise die nähere – und mutmaßlich unbekannte – Umgebung erkunden.

Starten Sie einfach mal Ihre Navigations-App. Doch nicht in der nah herangezoomten Ansicht des Navigierens, sondern weiter weg – und in der Satelliten-, nicht Kartenansicht.

Gerade wenn Sie sich in der Umgebung nicht näher auskennen, ist es oft ziemlich überraschend, was sich alles hinter den sichtbegrenzenden Grünstreifen, Erdwällen und Lärmschutzwänden befindet. Und wenn Sie schon einmal dabei sind: Vielleicht zeigt die App ja auch die Verkehrssituation an. Dann können Sie mitunter erkennen, wo die Quelle ihres momentanen Stillstandes liegt.

8. Schneller Frühlingsputz

Haben Sie Feucht-, Hygiene- oder Brillenputztücher im Handschuhfach? Dann könnten Sie, falls der Stau nach all diesen Tipps immer noch bestehen sollte, damit aus der Not eine Tugend machen.

Denn sofern Sie vor Fahrtantritt nicht gerade einen Autoaufbereiter verlassen haben, dürfte es auch in ihrem Kombi reinigungsbedürftige Hot Spots geben – zumindest die drei Rückspiegel und das Schutzglas vor dem Tacho. Mit etwas Glück und genügend Tüchern sieht Ihr Innenraum am Stauende (dem zeitlichen, nicht physischen) innen wie neu aus.